Entstehung und Entwicklung von Sprichwörtern

Als wichtigste Quellen der Sprichwörter werden das antike Schrifttum, die Bibel und die volkstümliche Spruchweisheit angesehen.

Die griechischen Sophisten verwenden Sprichwörter mit Vorliebe als Bausteine ihrer Reden und Schriften. Seit der Antike werden Sprichwörter gesammelt und nach wissenschaftlichen Maßstäben untersucht (Paroimiographie). Insbesondere Aristoteles, sein Schüler Klearchos von Soloi und der alexandrinische Gelehrte Zenobios sind als bedeutende Paroimiographen zu nennen, die in den Sprichwörtern die „Urweisheit der Menschen“ erblicken.

Diese zum Teil sehr umfangreichen Sammlungen werden im frühen Mittelalter zum „Corpus Paroemiographorum“ zusammengefasst. Daneben entstehen eigenständige lateinischsprachige Kompendien, die vorwiegend aus antiken und christlichen Schriften hervorgehen und unter anderem in Klosterschulen weite Verbreitung finden. Vereinzelt enthalten diese Sammlungen (E. v. Lüttich „Fecunda ratis“) auch schon frühe Zeugnisse der deutschsprachigen volkstümlichen Spruchweisheit (jedoch in lateinischer Übersetzung).

Als älteste deutschsprachige Sammlung gilt N. Labeos Lehrschrift „De partibus logicae“ (um 1010). Im Humanismus entstehen sowohl weitere bedeutende lateinische Sammlungen (E. v. Rotterdam „Proverbia Germanica“ 1508) als auch neue deutsche Kompendien. Auch M. Luther, H. Sachs und Th. Murner sind als Sammler von Sprichwörtern in die Literaturgeschichte eingegangen.

Im 19. Jahrhundert kommt es unter dem Einfluss von J. G. Herder und der Romantiker zu einer erheblichen Aufwertung aller Gattungen der Volkspoesie. Das Resultat sind umfangreiche wissenschaftliche Sprichwortsammlungen, deren Herausgeber wichtige Quellen zeigen und weiterführende Erläuterungen geben. Zu nennen sind hier vor allem die epochalen Arbeiten von J. M. Sailer („Weisheit auf der Gasse“ 1810) und die mit ca 250.000 Sprichwörtern bisher umfangreichste Sammlung von K. F. W. Wander („Deutsches Sprichwortlexikon“ 1867-1880 in fünf Bänden).

Im 20. Jahrhundert wurde das Sprichwort zu einem interdisziplinären Forschungsgegenstand - eine Entwicklung, die die Bedeutung dieser Prosagattung hervorhebt. Neben Literatur- und Sprachwissenschaftforschen auch Soziologie, Ethnologie und Volkskunde auf diesem Gebiet.

Mehr Informationen zu Sprichwörtern finden Sie auch unter: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Sprichwort